Und wieder einmal war es an der Zeit für das alljährliche Pfingstcamping in Minden, bei dem das Gio To Fest, welches zu Ehren des Begründers Nguen Loc und allen weiteren Mitgliedern, welche ihr Leben dem Vovinam gewidmet haben, gefeiert wird. Bei einer solchen Veranstaltung darf die Vovinam-Gruppe aus Mühlacker selbstverständlich nicht fehlen, und so machten sich Meister Mark, sein ältester Sohn, zwei seiner Schüler und ein Traineranwärter, der eigentlich zur Schule in Stuttgart gehört, aber auch mit uns trainiert, auf den Weg.
Nach ca. 6 Stunden Fahrt, inkl. einigem Dösen der Beifahrer, welches der Fahrer als unsolidarisch einstufte, und dem traditionellen Zwischenstopp in einem Burger King, in welchem wir mit Meister George aus Stuttgart und dessen Mitreisenden frühstückten, kamen wir endlich in Minden an. Dort begannen wir auch schon den Aufbau unserer Zelte und mit sämtlichen weiteren Vorbereitungen, welche für den längeren Aufenthalt nötig waren, wie zum Beispiel das Aufbauen des Grills oder in unserem Falle das ständige Umziehen mit unserem Iglu-Zelt, da wir immer jemandem im Weg waren oder uns zu dicht an der Feuerstelle, welche gegen später noch in Betrieb genommen werden sollte, positionierten zum Glück war unser Zelt nach dem Aufbau recht einfach zu transportieren.
Nach einer kurzen Einführung, abgehalten von Meister Jürgen und einigen höher graduierten Schülern, ging es dann auch frisch ans Werk und wir begannen nahezu (Vovinam-)pünktlich unser Training um ca. 15:15 Uhr in der Sporthalle der Köthe-Kollwitz-Schule, da das Wetter an diesem Tage noch nicht so recht mitspielen wollte. Als erstes erfuhren wir, was für eine Bedeutung das Gio To Fest für die Mitglieder des Vovinam hat (s.o.) und wir hielten diesbezüglich eine Schweigeminute ab.
Wie üblich wurde dann ein allgemeines, gemeinsames Aufwärmtraining abgehalten und anschließend die Gruppe in die entsprechenden Gürtelstufen unterteilt, damit diese angemessenes Training für ihren jeweiligen Stand erfahren durften. Das Training für uns Blaugurte gestaltete sich mit dem üben von Fußtritten, Kampftaktiken und ersten Beinangriffen und wurde von Trainerin Anja und Trainer Arthur geleitet.
Als das Training vorüber war, hieß es für so manche Gruppe noch schnell einkaufen, damit wir neben dem gemeinsamen Mittagessen, welches in den Anmeldegebühren enthalten war, auch ja nicht verhungerten. Nachdem alle Einkäufe erledigt waren, begann zunüchst der große Kampf mit dem Grill, der anfangs nicht so richtig auf Touren kommen wollte, im Endeffekt aber dennoch klein bei geben musste. So stand dem Abendessen, gemeinsam mit der Gruppe von Meister George und Meister Hoi aus Hannover, schlussendlich nichts mehr im Wege
Während alle Gruppen zu Abend aßen, wurde das Lagerfeuer am unteren Teil des Zeltplatzes entfacht, an welchem sich zu späterer Uhrzeit immer mehr Teilnehmer zu einer gemütlichen Runde einfanden, in der viel gelacht, geredet und getrunken wurde und in welcher man durch Gespräche schnell neue Leute kennen lernen konnte.
Der nächste Morgen war, wie auf Grund des wenigen Schlafes zu erwarten war, entsprechend schwerfällig und so wählten viele Teilnehmer den Stand, an welchem Kuchen und vor allem viel Kaffee verkauft wurde, als erste Station am Morgen, um richtig in die Gänge zu kommen. Nachdem die Gruppen sich frisch gemacht und gefrühstückt hatten, stand auch schon das nächste Training auf dem Programm. Deshalb versammelten sich alle Teilnehmer in ihrem Vovinam-Anzügen gegen 09:30 Uhr auf dem Tartanplatz, welcher sich gleich neben dem Zeltplatz befindet. Zur Eröffnung des Trainings wurden die Ergebnisse der Gelbgurtprüfung, welche am Vortag parallel zu unserem Training abgehalten wurde, bekannt gegeben. Und da alle bestanden hatten, wurde ihnen nun der neue Gürtel von Meister Hoi überreicht und somit sind wir um vier weitere Traineranwärter reicher.
Beim Aufwärmtraining stellten wir, die wir das erste Mal dem Gio To Fest beiwohnten, fest, wie unangenehm das Training auf diesem Tartan-Untergrund für die Füße ist, was uns jedoch in keiner Weise vom richtigen Aufwärmen abhalten konnte. Im Anschluss wurden die Gruppen wiederum getrennt und uns erwartete das Üben von diversen Abblocktechniken mit Anwendung. Dass das Training auf Gras mitunter genauso unangenehm für die Füße werden kann wie auf dem Tartanplatz, war ebenfalls eine der Erkenntnisse, welche wir hier gewonnen haben.
Nach etwa einer Stunde wurde unser Training von einem der Traineranwärter übernommen, welche die gestrige Prüfung bestanden haben. Der Inhalt des Trainings gestaltete sich durch Khai Mon Quyen. Zunächst wurde wurde diese Quyen in der Gruppe geübt und anschließend, im Hinblick auf die Wettkämpfe, die gegen Mittag stattfinden sollten, synchron in 3-er Gruppen. Da die Einteilung nicht aufging, bestand die Gruppe, in der ich mich befand, aus vier Leuten und wir probierten verschiedenste Möglichkeiten aus, um unsere Bewegungen so gut wie möglich aufeinander abzustimmen, was deutlich einfacher klingt, als es ist.
Nachdem das morgendliche Training seinen Abschluss fand, ging es ans Mittagessen, das wir mit einer der Essensmarken, die der jeweilige Meister bereithielt, abholen konnten. Da die Wettkämpfe erst gegen 14:30 Uhr angesetzt waren, und wir also nach dem Essen genug Erholungszeit hatten, war es sehr rege auf dem Zeltplatz. Überall waren spielende Kinder zu sehen, Übende, die sich für die anstehenden Wettkämpfe vorbereiteten und nicht zuletzt, sich erholende Teilnehmer des Gio To Festes.
Es war soweit: die Wettkämpfe begannen. Der Tartanplatz wurde aufgeteilt und die Trainer durften ihre Quyens parallel zu den Schülern und Kindern vorzeigen. Im Gegensatz zum gewohnten Stil wurde hier ein System angewandt, bei welchem pro Runde einige Teilnehmer weiter kamen und ihre Quyen in der nächsten Runde erneut vorführen mussten, statt dass jeder seine Quyen nur einmal zeigt und dann ein Sieger ermittelt wird. Gezeigt bekamen wir von den Kindern Quyen Co Ban und Khai Mon Quyen, von den Schülern Khai Mon Quyen zu dritt, Thap Tu Quyen zu zweit und von den Trainerstufen gab es Long Ho Quyen und Tu Thuong Con Phap zu sehen, wobei letztere Quyen mit dem Stock durchgeführt wird und Teil der Prüfung ist, welche ein Traineranwärter ablegen muss, um Trainer zu werden und den 1. Dang zu erhalten. Unsere Gruppe schied beim synchronen Khai Mon Quyen leider vorzeitig aus und so hatten wir Zeit, uns die Vorführungen der anderen Teilnehmer in Ruhe anzuschauen.
Nachdem die Wettkämpfe vorüber waren, ging es nach ein wenig Pause auch schon direkt weiter. Es stand eine öffentliche Vorführung auf dem Plan, zu welcher auch einige Besucher gekommen waren. Gezeigt wurden viele Quyens, u. a. jene aus den Wettkämpfen, verschiedene Abwehrtechniken, z. B. gegen Messer und Machete und, Vovinam-typisch, auch die gesprungenen Beinangriffe, um dem Publikum zu demonstrieren, welche Elemente Teil des Vovinams sind und hoffentlich einige Zuschauer zur Teilnahme zu begeistern. Außerdem sah man einige Lange Übungen, die zum einen sehr eindrucksvoll, zum anderen aber auch sehr anstrengend sind.
Als die Vorführung zu Ende war, ging es wie gewohnt ans Abendessen und der Grill zeigte sich an diesem Abend weit weniger widerspenstig als am Tag zuvor. Der Tag klang, ähnlich dem Vortag, nach einigen Ballspielen und sonstigen Unterhaltungsmöglichkeiten wiederum in einer gemütlichen Runde am großen Lagerfeuer aus.
Am nächsten Morgen erwacht, ging auch dieser letzte Morgen des Pfingstcampings seinen gewohnten Gang und die letzten Kaffeereserven machten ihre Runde. Nach dem Frühstück begann das abschließende Training des Gio To Festes. Unser Programm beinhaltete nach dem Aufwärmtraining und dem Einteilen der Gruppen zunüchst das Üben weiterer Abwehrtechniken, um nach dem Tausch des Lehrkörpers von Meister Sven zu Meister Mark durch verschiedene Beintechniken ersetzt zu werden, welche nicht einfach auszuführen sind, jedoch sehr filmreif aussehen. Nachdem auch diese Lehrstunde zu Ende gegangen war, wurden nochmals alle Teilnehmer zusammengetrommelt und die Sieger der Wettkämpfe vom Vortag verkündet, welche jeweils gruppenweise eine entsprechende Urkunde erhielten. Auch wir erhielten Urkunden, jedoch nicht wegen der Wettkämpfe, sondern auf Grund unserer Teilnahme am Gio To Fest, wie sie jede Gruppe, welche vor Ort war, entgegen nehmen durfte.
Als Abschluss des Festes gab es noch ein weiteres Mittagessen, bevor wir uns dem Abbau der Zelte widmeten, was sich angesichts der Temperaturen, welche von Stunde zu Stunde in die Höhe schossen, als sehr anstrengende Angelegenheit herausstellte und so fand sich der eine oder andere am nahe gelegenen Waschbecken ein, um sich ein wenig abzukühlen. Nachdem das ganze Gepäck schlussendlich verstaut war und sich alle verabschiedeten, machten wir uns auf dem Weg nach Hause – selbstverständlich mit traditionellem Zwischenstopp und neuerlichem, wenig solidarischen Dösen der Beifahrer…
von Schüler Patrick Teutsch